Hartnäckige Mythen des Unternehmertums

Im Karriere-Teil der österreichischen Tageszeitung “Die Presse” (vom 16.02.2013) findet sich ein spannendes Interview mit Prof. Dietmar Grichnik. Prof. Grichnik ist Ordinarius für Entrepreneurship und Direktor des Institutes für Technologiemanagement an der Universität St. Gallen. In dem Interview spricht er über Gründungstrends und die Gründungslandschaft in der Schweiz und in Österreich. Neben dem Trend zu Nebenerwerbsgründungen geht Prof. Grichnik auch auf die unternehmerische Methode (Effectuation) ein: “Entrepreneurship lernt man am besten durch Erfahrung … Unternehmertum ist Verhalten und Tun”. Dieser Ansatz ist nicht nur für Unternehmensgründer von hohem Interesse, sondern auch eine wunderbare Ergänzung der Management-Disziplinen und lernbar.

Passend dazu hat Prof. Grichnik ein YouTube-Video zum Thema “Die 10 Mythen des Unternehmertums” veröffentlicht, welches wunderbar zeigt, dass es keine Super-Entrepreneure, nicht das große Geld oder die große Idee braucht um mit der unternehmerischen Methode die Welt zu gestalten.

Wer “effectual” sein will, setzt seinen leistbaren Verlust und investiert zusätzliche 10 Minuten um sich das Video anzusehen, in dem mit den Mythen des Unternehmertums aufgeräumt wird und die Effectuation Grundlagen erklärt werden.

Effectuation im “A3Boom”

In der Dezember-Ausgabe des “A3Boom Magazins für Marketing, Verkauf, Media und Medien” aus dem Haus des A3 Wirtschaftsverlages erschien ein aktueller Beitrag über Effectuation.

Effectuation hat sich mittlerweile in vielen Bereichen als die “unternehmerische Methode” etabliert und freut sich einer wachsenden Community. Die Expertise erfahrener Unternehmer gibt uns mit Effectuation Prinzipien zur Hand, wie wir als Marketer, als Manager, als (unerfahrene) Unternehmer, als Menschen … in einer turbulenten und komplexen Welt systematisch agieren und gestalten können. Unsere Erfahrungen  und Erfolge von gestern sind unter hoch-ungewissen Bedingungen – wie sie uns derzeit täglich begegnen – nur mehr beschränkt erfolgreich wiederholbar und – wenn überhaupt – gültig. Wir, unsere Unternehmen und unsere öffentlichen Organisationen müssen wieder unternehmerischer werden, egal, ob wir als Eigentümer einer Firma, als Angestellter in einer Abteilung oder auch als Familienmensch agieren. Egal in welcher Rolle wir uns aktuell befinden, ist Effectuation-Wissenes eine essentielle Unterstützung, um in einer ungewissen Zukunft bestehen zu können und diese zum Vorteil aller zu gestalten.

 

Gegner oder Partner gesucht!

Phil Libin – Gründer und CEO des erstklassigen Web-Dienstes Evernote – spricht allen Effecuatoren aus dem Herzen. In einem Interview für die Neue Züricher Zeit (NZZ) erklärt er, warum er über den Wettbewerb nicht nachdenkt und warum ein Wettbewerber auch ein Parnter sein kann.

Im Allgemeinen denken wir nicht viel über den Wettbewerb nach. Ich habe vor meinem Unternehmen in vielleicht zehn Firmen gearbeitet – einige davon hatte ich gegründet – und jedes Mal hatten wir so etwas wie einen Erzfeind, einen Mitbewerber, den wir scharf beobachtet haben und mit dem wir uns im sehr stark in den Wettbewerb begaben. Und in zehn von zehn Fällen war das im Grunde genommen völlig egal. Diejenigen, auf die wir uns konzentrierten, hatten langfristig gesehen keinerlei Einfluss auf unseren Erfolg oder unser Scheitern. Das war abhängig von anderen Faktoren oder anderen Akteuren. Bei Evernote gehen wir davon aus, dass es keinen Sinn hat und Zeitverschwendung ist, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, was andere Leute machen. Wir müssen uns keine Sorgen darüber machen, dass uns jemand im Preis schlägt, denn unser Produkt ist in der Basisversion gratis. Wir müssen uns keine Sorgen darum machen, dass jemand anderes ein besseres Distributionssystem hat, da wir schon überall auf der Welt sind. Und wir müssen uns auch keine Sorgen darum machen, dass jemand eine bessere Werbestrategie hat, weil dieser Faktor immer bedeutungsloser wird.

Das Einzige, was uns bedrohen kann, ist, wenn jemand mit einem deutlich besseren Produkt auftaucht. Und die beste Verteidigung dagegen ist, einfach selbst mit diesem besseren Produkt anzutreten. Das schafft man aber nicht, wenn man Tag und Nacht darauf schaut, was die anderen machen, sondern wenn man sich auf sein eigenes Produkt konzentriert. Geschäfte sind kein Nullsummenspiel. Sie sind kein Sport, kein Boxmatch, in dem es heisst: »Damit ich gewinnen kann, musst du verlieren.« Es ist eher ein »Wie können wir zusammen etwas Cooles produzieren?« All die grossen Unternehmen, mit denen wir zusammen arbeiten – Facebook, Apple, Google, Microsoft – haben Konkurrenzprodukte und wir können trotzdem Partner sein. Es wäre eine ganz schön traurige Welt, in der man jeden Morgen aufwacht und nach Gegnern sucht. Also suchen wir nach Partnern.

via NZZ.ch

Das MacGyver-Prinzip: Nutzen, was zur Hand ist!

Schweizer Messer und Klebeband durften nie fehlen, eine Büroklammer musste auch schon mal zum Entschärfen einer Bombe herhalten und ein Kaugummipapier zum Reparieren eines Atomkraftwerks. Wer kann sich nicht an den TV-Helden der 80er Jahre – MacGyver – erinnern?

Mit guten Physik- und Chemiekenntnissen und seinem Einfallsreichtum ausgestattet, entkam er bis in die 90er Jahre mehr als einer brenzligen Situation pro Episode. Durch den kreativen Einsatz vermeintlicher Alltagsgegenstände die gerade zur Hand waren, konnte er sich und seinen Freunden regelmäßig das Serien-Leben retten – mit einfachsten aber sehr wirksamen Mitteln.

Genau deshalb – egal ob Sie ein Start-Up aufbauen oder eine kleine Firma managen – sollte man sich in brenzligen Situationen schon mal fragen, was würde wohl MacGyver tun!?

Es wird immer jemanden geben, der über die besseren Ressourcen (Geld, Zeit, …) verfügt oder schlichtweg smarter als man selbst ist. Deshalb ist es so wichtig scheinbar unlösbare Probleme mit den Mitteln die einem zur Verfügung stehen, Kreativität und der richtigen Einstellung es zu schaffen, anzupacken. Ein Weg um sich als “Underdog” zu behaupten – denken wie MacGyver.

Oder noch besser: Denken wie ein Effectuator!